Ich bin schon seit vier Monaten in Deutschland. Die Zeit verflog wie im Flug, so dass ich keine Zeit hatte über alles, was bis jetzt passiert ist,richtig nachzudenken.
In diesen vier Monaten habe ich viel gelernt, auch über die unterschiedliche Denkweisen und kulturellen Unterschiede.
Jedes Mal, wenn ich neue Leute treffe, werde ich gefragt: „Warum wähltest du Deutschland als Austauschland?“ Je länger ich in Deutschland bin, umso öfter verändert sich die Antwort auf diese Frage.


Am Anfang wollte ich eine neue Sprache lernen, das Land erkunden und Fußball schauen. In China erfährt man nur wenig über Deutschland. Wenn ich jetzt gefragt würde, müsste ich lange über die Antwort nachdenken, weil die Kollision der Kulturen nicht in einfach in Worte zu fassen ist.

Aufgrund der steigenden Globalisierung gibt es immer mehr Verbindungen zwischen Deutschland und China. Die unterschiedlichen Kulturen und Umfelder schaffen soziale Konflikte zwischen Ost und West, weil die verschiedenen Unterschiede in der Sprache, Geographie, Kultur, etc., nicht viele Möglichkeiten zur Kommunikation bieten, so dass es oft zu Missverständnissen kommt. Ich wollte die deutsche Mentalität kennen lernen, aber ich hatte nicht erwartet, dass die Unterschiede so groß sein würden. Verschiedene Sprachen, andere Hautfarbe, andere Gewohnheiten, verschiedene Gebäude in den Stadt, anderes Klima und, und, und... ich dachte: „Ich komme auf einen anderen Planeten!" Ich bin nicht gut im Schreiben von Artikeln und weiß nicht, wie man die Gefühle der 4 Monate zusammenfassen kann. Ich hoffe, dass Sie mehr über mein Heimatland China lernen, über dieses zunehmend wichtige Land.

Zu Beginn meines Austausches bin ich auf viele Schwierigkeiten gestoßen. Zunächst wusste ich  nach der Schule nicht mit der Menge freie Zeit umzugehen. In China steht das Lernen im Mittelpunkt des Tagesablaufs und nimmt die meiste Zeit ein. (Der Unterricht beginnt jeden Morgen 7.40 Uhr bis 11.45 Uhr, danach gegen alle Schüler nach Hause zum Mittagessen. Im Anschluss haben wir von 2:00-5:35 Uhr wieder Unterricht und nach der Schule verbringen wir noch ungefähr 3-4 Stunden mit der Bearbeitung von Hausaufgaben. Wir haben viele außerunterrichtliche Aktivitäten in der Schule.


Chinesische Schulen haben eine Menge von einem Campus. Zum Beispiel jedes Jahr einen Klassenchorwettbewerb, eine Schuljahresfeier, einen „ Tag der Sprachen“, Debatten, Spiele und andere Aktivitäten. In vielen Schulen gibt es Organisationen, wie die „Jugend-Model-United-Nations-Society“, den „Wirtschaftsclub“, den „Fotografieclub“ , eine Magie-AG“, eine Kletter-AG und vieles mehr. Jeden Freitag nach drei Uhr nachmittags ist die Zeit, AGs zu besuchen und jeder geht in den Raum, in dem die jeweilige AG stattfindet. Also, in China verbringt man viel Zeit in der Schule, und in Deutschland hat man eine Menge Freizeit, aber man weiß oft nicht, was man damit anfangen soll. Jeden Nachmittag zu Hause zu sein mit einer Menge Freizeit und nicht zu wissen, was man machen soll und zusätzlich die Sprachbarriere sowie die nicht vertraute Umgebung, da fühlte ich mich manchmal hilflos. Alles war anders, als ich es mir vorgestellt hatte.


Und dieses Mal lies mich die chinesische Denkweises Traurigkeit empfinden. Aber: Was heißt die chinesische Art des Denkens überhaupt? Um Ihnen ein Beispiel zu geben:
In China, wenn man Freunde zu sich nach Hause einlädt, fragt man: „Willst du etwas Wasser?“ Selbst wenn Sie durstig sind, haben Sie „Nein, nein, danke." zu sagen. Man muss warten, bis die Frage ein zweites Mal gestellt wird, bevor man „ja“ sagen darf. In den Augen des chinesischen Volkes zeigt dieses Verhalten Bescheidenheit und Höflichkeit.


Darüber hinaus darf man nicht die Initiative ergreifen, um den Gastgeber zu fragen, ob man etwas zu essen bekommen darf, weil es den Anschein macht, als ob man unhöflich sei. Da man bereits für die Einladung dankbar ist und nicht mehr verlangen kann. Der Gastgeber wird in der Regel alles für das Wohl seiner Gäste tun.


Solche Beispiele zeigen, dass Chinesen viel mehr über das Wohlergehen der anderen nachdenken als über das eigene. Auch wenn es schwierig ist, immer ein Lächeln auf den Lippen zu haben und das Essen zu essen, auch wenn es gar nicht schmeckt. Ebenso zeigt man nur den eigenen Freunden, wenn man traurig ist oder es einem schlecht geht und zeigt er nicht dem ganzen Umfeld, selbst den eignen Eltern nicht. Dies ist die traditionelle chinesische Denkweise.
Aufgrund dieser Denkweise weiß ich oft nicht, wie und mit wem ich darüber sprechen kann, wenn ich traurig bin. Auch meinen Gasteltern zu sagen, was ich möchte, fällt mir schwer, da das chinesische Denken lehrt, wenige Ansprüche zu haben.
Durch die Andersartigkeit des Denkens von Chinesen und Deutschen hatte ich oft Heimweh. Insbesondere die Sprachbarriere verstärkte Missverständnisse in der Kommunikation.
Mittlerweile weiß ich aber, wie ich fragen kann, aber das gehörte zu meiner Eingewöhnung dazu und war ein Lernprozess.

Solche kleinen Beispiele spiegeln die starken kulturellen Unterschiede. In den vier Monaten hier in Deutschland habe aber ich trotz der Sprachbarriere und der kulturellen Unterscheide eine Menge lustiger und interessanter Geschichten erlebt. Obwohl sie mich zum Zeitpunkt des Geschehens oft peinlich berührt haben oder traurig machten. Aber, wenn ich im Nachhinein daran denke, sind es einzigartige Erinnerungen. So tragen diese Erfahrungen auch einen Teil zur Integration beider Kulturen bei.

In der Tat, die Westasiaten haben viel größeres Verständnis für den Osten als den Westen. In Chinas Klassenzimmern lernen wir eine Menge über den Westen. Vor allem die westlichen Länder sind die Länder mit starken Volkswirtschaften und einer soliden, stabilen Politik. China als Entwicklungsland hat noch eine Menge zu lernen. Aber durch den Aufstieg östlicher Länder steigt die Bedeutung von Kulturverständnis und -akzeptanz. Auch wenn dies ein langer Prozess der kulturellen Verständigung und der einzige Weg für die Entwicklung der Welt ist. Ich hoffe, dass ich meinen deutschen Mitschülerinnen und Mitschülern in den 10 Monaten vieles über China näherbringen konnte.

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