Blog zur interreligiösen Studienfahrt – Tag 3 – Konzentrationslager Auschwitz

Tag 3 – 10.2.2020

Hey ihr Lieben, heute haben wir das eigentliche Ziel unserer Reise besucht, das Konzentrationslager Auschwitz. Um uns für den langen, uns bevorstehenden Tag zu stärken, haben wir uns schon um viertel nach sieben auf den Weg zum Frühstück gemacht. Nach dem Frühstück wurden wir um 8 Uhr von unserem Bus abgeholt, der uns nach Oświęcim zum KZ Auschwitz brachte. Bevor wir die Gedenkstätte besuchten, machen wir für 1,5 Stunden Workshop, Halt in einem naheliegenden Begegnungszentrum. Dort teilten wir uns in fünf Gruppen, wobei jede Gruppe mehrere Auschwitz-Fotos aus verschiedenen Quellen bekam (zB.: Luftausnahmen der Alliierten, oder Bilder des Lilly-Jacob-Albums). Diese wurden nun mit Hilfe eines Infotextes analysiert und dann in der großen Gruppe vorgestellt. Nachdem wir nun unser Vorwissen aufgefrischt/erlangt haben, ging es auf zur Gedenkstätte. Dort wurden wir in zwei kleinere Gruppen geteilt und unsere Führung im Stammlager Auschwitz 1 begann. Das Stammlager, eine ehemalige polnische Militär-Kaserne, ist mit 6 ha deutlich kleiner als das Nebenlager Auschwitz-Birkenau (170 ha). Wir wurden durch verschiedene Blöcke (Backsteinhäuser entlang der Lagerstraße) geführt, in denen Bilder und Überreste der Häftlinge ausgestellt waren, aber auch typische Baracken, Sanitäranlagen und Büros nachgestellt wurden (falls nicht mehr ganz erhalten). Vor allem die Haufen an (Kinder-) Schuhen und Klamotten haben uns stark berührt, weil wir realisiert haben, dass jeder dieser Gegenstände einem Menschen gehört hat, der eine Geschichte, eine Persönlichkeit und ein eigenes Leben hatte, welches häufig im Lager geendet hat. 80% der Menschen, die in Auschwitz angekommen sind, wurden direkt umgebracht. Die häufigste Tötungsart, die Vergasung dauerte 20 Minuten, in denen bis zu 2000 Menschen in einem 210 m² großen Raum durch das Giftgas Zyklon B starben. Die Tötungsmaschinerie der Nazis konnte pro Krematorium pro Tag circa 1440 Leichen verbrennen, was circa 5000 Leichen in den 5 verschieden großen Krematorien sind. Da die die Anzahl der vergasten Menschen schnell höher war, als die Anzahl derer, die im Krematorium verbrannt werden können, musste das Sonderkommando (jüdische Häftlinge, die gezwungen wurden, die Tötung vorzubereiten, die Leichen auszubeuten und sie im Anschluss zu verbrennen) diese auch bald draußen auf riesigen Scheiterhaufen verbrennen. Das Gefühl, das man verspürt, wenn man durch die Gaskammer und das Krematorium geht, ist schwer zu beschreiben…zum einen bekam man selbst Panik, da dieser dunkle, fensterlose Raum keine 2 m hoch ist und zum anderen, weil man irgendwie die verzweifelten Leute spürt, die Schreie im Kopf hört und auch die Kleiderhaufen im Kopf hat. Außer den Tötungsanalagen gab es in Auschwitz natürlich auch Räume für die Folter. Uns wurden zum Beispiel 1 m² große Steh-Zellen gezeigt, in denen 4 Männer die ganze Nacht stehen mussten. Allein, wenn man sich das nur vorstellt, bekommt man schon Platzangst… Da es so wenig Platz gab und sie quasi eingemauert waren mussten sie abends nach 12 h harter Zwangsarbeit durch eine kleine Öffnung in ihre Folterkammer kriechen und nun die Nacht dort ohne gute Sauerstoffzufuhr und eingequetscht im Stehen verbringen. Nach diesen krassen Eindrücken wurden wir von unserem Busfahrer in das 4 km entfernte Nebenlager Auschwitz-Birkenau gefahren. Zu allererst sieht man hier die typischen und bekannten Bahnschienen, die durch das breite Tor in das Lager hineinführen. Wenn man diese Schienen und das Tor sieht, macht sich schon ein mulmiges Gefühl in einem breit, weil man heute weiß, wie ahnungslos die Menschen damals waren, die hier ankamen. Hier trafen wir nun unseren Guide wieder, der uns dann an die „Rampe“ führte, an der die Selektion stattfand. Wenn die Gefangenen mit den Viehwagons in Birkenau ankamen, wurden sie, häufig durch einen SS-Arzt selektiert, das heißt, dass die Arbeitsfähigen von den Alten, Kranken, Kindern und Müttern getrennt wurden. Die aussortierten, arbeitsunfähigen, wurden direkt in die Gaskammern gebracht, getötet, ausgeraubt (Haare wurden abgeschnitten, Goldzähne entfernt (…) und dann verkauft) verbrannt. Von den 234 Tsd, nach Auschwitz deportierten Kindern, überlebten nur 600. Den arbeitsfähigen Menschen wurden bei der sog. „Desinfektion“ die Haare abrasiert, ihre neue Identität (sie waren von nun an keine Menschen mit Namen mehr, sondern nur noch Nummern) auf den linken Unterarm tätowiert und sie bekamen nach der viel zu heißen, oder viel zu kalten Dusche ihre gestreifte Häftlingskleidung. Von nun an lebten sie, mit bis zu 1000 Mitgefangenen in einer Baracke unter der Aufsicht eines Blockältesten und eines Kapos und natürlich der SS. Die SS (=Schutzstaffel) bewachte das Leben im KZ, unternahm die Vernichtung und töteten auch immer wieder willkürlich Häftlinge. Auch durch das kalte, stürmische Wetter, wird einem nochmal klar, wie kalt und unerträglich es für die Häftlinge sein mussten, die ja ohnehin nur ihre, häufig nicht passende Häftlingskleidung trugen, sein musste. Unmittelbar neben Auschwitz 1 befindet sich das Haus des Lagerkommandanten (Mai 1940-November 1943) Rudolf Höß, welchem es Spaß machte schon morgens vor dem Frühstück von seinem Balkon aus ein paar Häftlinge zu erschießen. Auch dieses ist noch gut erhalten.

Durch all die eiskalte Grausamkeit, mit der hier gehandelt worden ist, und auch durch das kalte Wetter, sind wir am Nachmittag dann völlig durchgefroren. Anschließend sind wir in unserem warmen Bus in eine katholische Herberge gefahren, in der wir dann landestypische Pirogge (mit Fleisch- oder Kartoffeln gefüllte Teigtaschen) gegessen haben. Zum Abschluss sind wir dann erneut in die Begegnungsstätte gefahren, in der wir, wieder in Kleingruppen das Erlebte reflektiert, besprochen und diskutiert haben. Unser Tag endete mit einem guten Abendessen in unserem Standardrestaurant Jagienka.

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