Aufgrund einer Erkrankung müssen wir die Herbstakademie in diesem Jahr leider absagen. 

Unser Projekt gegen das Vergessen „Der Flur der verlorenen Gesichter“

21.07.2026

„Nichts gehört der Vergangenheit an, alles ist noch Gegenwart und kann wieder Zukunft werden.“ 
Fritz Bauer

Am Donnerstag, den 16. Juli 2026, durften wir ab 10 Uhr unser Projekt „Der Flur der verlorenen Gesichter“ am WWG eröffnen. Nach einem Jahr intensiver Arbeit freuen wir uns sehr, dass unsere Ausstellung als Dauerausstellung im Kunstgang unserer Schule zu sehen ist.
Der Anfang unseres Projekts war bereits im Juni 2025. Damals nahmen wir an einem dreitägigen Anne-Frank-Botschafter*innen-Seminar in Berlin teil. Dort entstand die Idee, den Nationalsozialismus
in Bergneustadt und im Oberbergischen Kreis aufzuarbeiten, mit dem Ziel, Geschichte für Schülerinnen und Schüler greifbarer und persönlicher erfahrbar zu machen. Aus dieser Idee entwickelte sich im Laufe eines Jahres unsere Ausstellung.
In der Ausstellung stellen wir verschiedene Menschen und Personengruppen aus unserer Region vor.
Dazu gehören unter anderem eine Widerstandskämpferin, ein Täter, ein Pfarrer, ein kleiner Junge und
viele weitere Menschen, deren Lebensgeschichten zeigen, wie unterschiedlich die Erfahrungen
während der Zeit des Nationalsozialismus waren. Neben den Plakaten haben wir historische Fotos und originale Videoaufnahmen verwendet. So können Besucherinnen und Besucher beispielsweise Fotos sehen, auf
denen Menschen am Bergneustädter Freibad den Hitlergruß zeigen. Besonders bewegend ist außerdem eine Tonaufnahme von Mathilde Lauterjung, die in einem Interview von ihren persönlichen
Erlebnissen während der NS-Zeit berichtet.
Unser wichtigstes Anliegen war es zu zeigen, dass diese Geschichte nicht irgendwo weit entfernt stattgefunden hat, sondern direkt vor unserer Haustür. Viele der Menschen, deren Geschichten wir
erzählen, lebten in Bergneustadt oder im Oberbergischen Kreis. Einige besuchten sogar das Wüllenweber Gymnasium oder spielten im selben Fußballverein wie heutige Schülerinnen und Schüler. Dadurch möchten wir deutlich machen, dass hinter jeder Geschichte ein Mensch stand, jemand, der eigene Träume und einen ganz normalen Alltag hatte. Genau diese Nähe soll Empathie schaffen und zeigen, dass jede und jeder von uns Verantwortung dafür trägt, dass sich die Geschichte nicht wiederholt.
Mit unserem Projekt möchten wir ein Zeichen für Demokratie, Menschlichkeit und Erinnerung setzen.
Demokratie ist nicht selbstverständlich, sie muss geschützt werden. Vor allem zur heutigen Zeit.
Deshalb ist es uns wichtig, die Geschichten der Menschen aus unserer Region sichtbar zu machen und zu zeigen, dass Ausgrenzung, Hass und Diskriminierung niemals wieder einen Platz in unserer
Gesellschaft haben dürfen.
Wir haben uns sehr gefreut, dass so viele Gäste zu unserer Eröffnung gekommen sind. Die gesamte Schüler- sowie Lehrerschaft und einige Personen, die uns während der Zeit geholfen haben, das
Projekt umzusetzen, waren vor Ort.
Wir hoffen, dass „Der Flur der verlorenen Gesichter“ viele Schülerinnen und Schüler auch in Zukunft dazu anregt, sich mit der Geschichte unserer Region auseinanderzusetzen. Denn Erinnerung bedeutet nicht nur, zurückzublicken, sondern auch Verantwortung für unsere Gegenwart und Zukunft zu übernehmen.
Vielen Dank, für euer Interesse und das positive Feedback.

Text: Martha Eyer und Maren Adrian

Fotos: Thomas Sülz

Veröffentlichung im Oberbergischen Anzeiger vom 16.07.2026